Was braucht Klimaschutz vor Ort? Sieben Leitgedanken und 25 politische Handlungsempfehlungen aus „MV tut was.“
Zwei Jahre „MV tut was. – Klimaschutz vor Ort.“ haben gezeigt: Klimaschutz gelingt vor Ort nicht allein durch gute technische Lösungen oder Fördermittel. Entscheidend sind Menschen, die gestalten wollen, Kommunen, die handlungsfähig sind, und Strukturen, die Engagement, Beteiligung und gemeinsames Lernen ermöglichen.
Aus den Erfahrungen der verschiedenen Programmbausteine, der wissenschaftlichen Begleitforschung und dem Austausch mit Kommunen, Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Akteuren haben wir deshalb 7 Leitgedanken und 25 politische Handlungsempfehlungen entwickelt. Die wissenschaftliche Begleitforschung bestätigt insbesondere die Bedeutung von engagierten Menschen, professionellen Schnittstellen sowie verlässlichen Beratungs-, Bildungs- und Unterstützungsstrukturen.
Die Empfehlungen richten sich vor allem an die Landespolitik und sollen einen Impuls für die weitere Ausgestaltung der Unterstützung von Klimaschutz und Transformation in Mecklenburg-Vorpommern geben.
Dabei verstehen wir die Empfehlungen nicht als fertigen Forderungskatalog. Sie sind ein Arbeitsstand – und sollen jetzt mit den Menschen weiterentwickelt werden, die Klimaschutz und Zukunftsgestaltung vor Ort tatsächlich umsetzen.
1. Klimaschutz gelingt, wenn Kommunen handlungsfähig sind.
Klimaschutz vor Ort braucht nicht nur Investitionen, sondern auch Zeit, Kompetenzen, Beratung und verlässliche Strukturen. Gerade kleinere Kommunen profitieren von Unterstützung, die an ihren konkreten Möglichkeiten ansetzt.
Dazu gehören:
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Kommunale Prozessbegleitung dauerhaft ermöglichen – Beteiligung, Moderation, Beratung und Vernetzung als eigenständige Bestandteile kommunaler Klimaschutzarbeit unterstützen.
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Kleine Kommunen gezielt stärken – Unterstützungs- und Förderangebote stärker an begrenzten personellen und administrativen Kapazitäten ausrichten.
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Regionale Unterstützungsstrukturen aufbauen – erreichbare Ansprechpartner:innen für Förderung, Beteiligung, Moderation und Umsetzung schaffen.
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Förderverfahren einfacher und vertrauensvoller gestalten – niedrigschwellige und flexible Fördermöglichkeiten ausbauen.
2. Beteiligung wird zur Infrastruktur guter Kommunalpolitik.
Wenn Menschen frühzeitig zusammenkommen, gemeinsam Lösungen entwickeln und Verantwortung übernehmen können, entstehen tragfähige Projekte und mehr Selbstwirksamkeit. Beteiligung sollte deshalb als Bestandteil guter kommunaler Entwicklung verstanden werden.
Dazu gehören:
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Beteiligung frühzeitig integrieren – Bürger:innen möglichst früh in Klimaschutz-, Dorfentwicklungs- und Zukunftsprozesse einbeziehen.
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Professionelle Moderation stärken – Kommunen und Regionen leichter mit qualifizierten Moderator:innen, Prozessbegleiter:innen und Mediator:innen zusammenbringen.
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Konfliktfähigkeit und Dialogkompetenz stärken – Kommunen beim konstruktiven Umgang mit unterschiedlichen Interessen und kontroversen Themen unterstützen.
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Aufsuchende Beteiligung ausbauen – Menschen auch dort erreichen, wo sie ohnehin sind: auf Märkten, Dorffesten, Vereinsveranstaltungen und anderen Alltagsorten.
3. Aus Engagement entsteht Wirkung, wenn Menschen Rückenwind bekommen.
„MV tut was.“ hat gezeigt, wie viel Veränderung von engagierten Menschen, Initiativen und lokalen Netzwerken ausgehen kann. Politische Unterstützung kann dabei vor allem ermöglichen, anerkennen, vernetzen und den nächsten Schritt erleichtern. Die Begleitforschung beschreibt Empowerment, Vernetzung und Sichtbarkeit ausdrücklich als wichtige erwartete Wirkungen des Programms.
Dazu gehören:
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Ehrenamt und lokale Initiativen gezielt stärken – durch niedrigschwellige Förderung, Qualifizierung, Beratung und Vernetzung.
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Kleine Ideen schneller ins Handeln bringen – Mikroförderungen und unkomplizierte Budgets ermöglichen.
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Engagement sichtbar machen und anerkennen – Anerkennung, Wettbewerbe und gute Beispiele als Instrumente der Engagementförderung nutzen.
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Erfolgreiche Initiativen als Multiplikator:innen einbinden – Erfahrungen und Wissen stärker zwischen Kommunen und Initiativen weitergeben.
4. Ländliche Räume gestalten ihre Transformation selbst.
Ländliche Räume sind nicht nur Orte, an denen Klimaschutz umgesetzt wird. Sie verfügen über eigene Ressourcen, Ideen und Potenziale – etwa für erneuerbare Energien, regionale Wertschöpfung und soziale Innovation. Die Expert:innen beschreiben ländliche Räume deshalb ausdrücklich als ressourcenstark und kritisieren ihre Rolle als bloße „Dienstleister“ für urbane Zentren.
Dazu gehören:
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Klimaschutz, Dorfentwicklung und Daseinsvorsorge zusammendenken – Energie, Mobilität, Wohnen, Versorgung, Natur und soziale Infrastruktur gemeinsam betrachten.
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Regionale Wertschöpfung mit Klimaschutz verbinden – Klimaschutzmaßnahmen möglichst mit regionalen Unternehmen, Arbeitsplätzen und Wertschöpfung verknüpfen.
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Städte und ländliche Räume als Partner verstehen – stärker auf Kooperation und gegenseitigen Nutzen setzen.
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Regionale Kooperationen erleichtern – gemeinsame Lösungen über Gemeindegrenzen hinweg unterstützen.
5. Transformation braucht Teilhabe und konkrete Vorteile.
Klimaschutz wird vor Ort besonders greifbar, wenn Menschen erkennen können, was sich dadurch in ihrem Alltag, ihrer Gemeinde und ihrer Region verbessert. Gleichzeitig müssen unterschiedliche Lebenslagen und finanzielle Möglichkeiten berücksichtigt werden.
Dazu gehören:
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Klimaschutz sozial gerecht gestalten – unterschiedliche Lebenslagen, finanzielle Möglichkeiten und Betroffenheiten berücksichtigen.
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Lokale Beteiligung an den Vorteilen der Energiewende stärken – Gemeinden und Bürger:innen stärker an Wertschöpfung, Nutzung und Gestaltung beteiligen.
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Die Wärmewende regional unterschiedlich unterstützen – die unterschiedlichen Voraussetzungen von Mieterstädten, Mittelzentren und ländlichen Räumen berücksichtigen.
6. Lernen und Weitergeben macht einzelne Projekte zu Landeswirkung.
Die Wirkung eines Modellprogramms entsteht nicht nur dort, wo ein Projekt stattfindet. Sie entsteht auch dadurch, dass Erfahrungen weitergegeben, angepasst und von anderen genutzt werden können. Deshalb braucht es Strukturen, die Wissen dauerhaft sichern und Austausch ermöglichen. Die Programmdokumentation schlägt dafür unter anderem eine landesweite Wissensplattform und kommunale Lernnetzwerke vor.
Dazu gehören:
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Eine dauerhafte Lern- und Wissensinfrastruktur schaffen – Praxiswissen, Werkzeuge, Ansprechpartner:innen und gute Beispiele landesweit zugänglich machen.
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Erfolgreiche Ansätze systematisch in die Fläche bringen – übertragbare Elemente aus Modellprojekten identifizieren, anpassen und verfügbar machen.
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Kommunen stärker voneinander lernen lassen – regelmäßige regionale und landesweite Austauschformate für Praktiker:innen stärken.
7. Aus „MV tut was.“ kann eine dauerhafte Unterstützungsstruktur entstehen.
Die Erfahrungen des Programms sprechen dafür, erfolgreiche Formate nicht einfach nach der Projektlaufzeit abzuschließen, sondern ihre wirksamen Elemente dauerhaft verfügbar zu machen. „MV tut was.“ kann dabei als Lernprogramm für die Umsetzung von Klimaschutz und Transformation in Mecklenburg-Vorpommern dienen.
Dazu gehören:
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Bewährte Formate dauerhaft verfügbar machen – erfolgreiche Ansätze wie Dorfklima.Werkstatt, Dorfmoderation, Klima.Mobil, Zukunftsschmiede, Land.Leben.Klima und Gutes.Klima.Machen. weiterentwickeln und verstetigen.
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Modellprogramme mit einem Weg in die Verstetigung verbinden – bereits bei der Entwicklung mitdenken, wie erfolgreiche Ansätze weitergeführt und finanziert werden können.
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„MV tut was.“ als gemeinsames Lernprogramm weiterentwickeln – Erfahrungen regelmäßig mit Kommunen, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft auswerten und für die Landespolitik nutzbar machen.
Jetzt ist die Praxis gefragt
Welche dieser Empfehlungen sind aus eurer Sicht besonders wichtig?
Wo treffen sie eure Erfahrungen vor Ort? Was fehlt? Welche Formulierung sollte verändert werden? Und welche Empfehlung ist für eure kommunale Praxis vielleicht weniger relevant?
Wir laden euch ein, die 25 Handlungsempfehlungen direkt hier auf dem Treffpunkt zu kommentieren. Ergänzt eure Erfahrungen, widersprecht, macht Vorschläge und bringt weitere Perspektiven ein.
Die Rückmeldungen aus der Community fließen in die weitere Schärfung und Priorisierung der Empfehlungen ein. So können aus den Erfahrungen von „MV tut was.“ gemeinsam mit der Praxis Impulse dafür entstehen, wie Klimaschutz und Zukunftsgestaltung vor Ort in Mecklenburg-Vorpommern künftig noch besser unterstützt werden können.
Denn genau darum geht es bei „MV tut was.“: Nicht nur über Klimaschutz vor Ort zu sprechen, sondern gemeinsam herauszufinden, was vor Ort tatsächlich hilft.